Schlagwörter

, , ,

Cindy und ich parkten mit Mühe und Not an dem engen Parkplatz, der mit Eisenstangen jeweils an beiden Seiten markiert wurde. Mein Gott, es standen doch schon die Bäume an den Parkenden und dann auch noch diese Eisenteile hinzustellen war erbärmlich. Erbärmlich nicht, weil ich eine schlechte Einparkerin war. Nicht erbärmlich, weil mein Baby-Golf den Parkpiloten an piepste. Nein, ERBÄRMLICH weil es Staatsgelder waren. Mäuschen, die mit unserem Geist und Körper verdient wurden und laut „Schwarzbuch“ Deutschland, viele Steuergelder an solch sinnlosen und (noch einmal zu erwähnenden Lieblingswort) „erbärmlichen“ Dingen flossen.

Wir saßen im „Zum neuen Schwan“ in Seligenstadt. Es war rustikal und dennoch modern eingerichtet und vor Allem voll von Besuchern. Wir hatten Glück, ein Tisch wurde frei. Direkt am Fenster zur Straße. Perfekt. Wir hatten wirklich eine bonne heur, denn wir sahen uns sehr selten, aber wenn wir uns trafen, war es immer lustig. Wie in damaligen Zeiten unserer „Jugend“.

Ich schaute zwar in die Getränkekarte, aber ich wusste, was ich wollte. Chardonnay weiß tat immer gut vor einer Fleischfresserei. Cindy als typisch gewordene Mama nahm …na..Cola natürlich. Die kamen auch schnell. Vielleicht verging aber die Zeit einfach zu schnell, weil wir schwätzen und uns sowieso viel zu erzählen hatten.

Während Cindy, das Menü Mexico bestellte, dachte ich an den „Seligenstädter Pfännchen“. Es sollte Schweinfilet und Hühnerbrust sein mit Champignonrahm-Klacks und Butter-Spätzle. Ich hasste Butter-Spätzle und Schweinsfilet wollte ich nicht. Ich fragte die Dame No.1, ob ich anstatt das Schweinchenteils auch nur Hühnchenbrüstchen bekommen kann und anstatt die Butterspätzle nur gebratene Gemüse. Sie schrieb auf und sagte: “Ein neues Rezept!“

„Ja, und bitte die Gemüse in Kräuterbutter braten und Sojasauce einspritzen und Knoblauch und Zwiebeln dazu.!“

„Ok.“

„Ah, und bitte scharf!“

Cindy lachte sich danach tot. Ich auch. Die Kellnerin lachte auch und ging.

Dann kam das Essen auch. Es war lecker. Unglaublicher Geschmack des Filets und vor allem die gebratenen Gemüsestückchen. Herrlich.

Da mein Chardonnay schon leer war, kam die Dame No.1 und fragte mich, ob ich noch was zu trinken hätte. Ich sagte nur, dass ich gerne das gleiche hätte. Es war noch früh.

Wir quatschten und lachten einfach weiter. Das Restaurant und die Bar waren mittlerweile überfüllt. Es wurde lauter, aber sehr schöne Atmosphäre.

Nun ja, mein lustiger weißer heißgeliebter Chardonnay kam nicht. Ich wartete.

Es kam nicht.

Dann kam nach ungefähr 25 Minuten die Kollegin  der vorherigen Servicekraft und fragte, ob ich was zu trinken hätte. Ich sagte ihr nichts vom der bestellten weißen Schönheit, weil ich dachte, es wäre vergessen worden und bestellte stattdessen einen Hugo.

Von mir aus das Übliche.

Cindy wollte erstmal nichts.

Wir erzählten weiter, was so die letzten Tage passiert war. Ich ratterte alles runter, da ich in letzter Zeit ziemlich aufgewühlt sei und mich gar nicht mehr vor Männerangeboten retten kann. Wenn die wüssten, dass….

Und wieder kam mein Getränk nicht. Ich habe Verständnis für so Etwas. Schließlich habe ich auch als „Geldbeutelträgerin“ gearbeitet. Aber das war komisch.

seligenstädter pfännche

Es verging eine Stunde, als die erste Kellnerin kam und mich nach einem Getränk fragte. Ich schaute sie etwas an und sagte.

„Nach einer wundervollen Bestellung von einem Chardonnay und einem Hugo, auf die ich jeweils eine Stunde wartete und immer noch habe, vertrage ich jetzt kein Alkohol und ich muss fahren. Geht also absolut nicht. Bringen sie mir doch einfach einen frischgepressten Orangensaft.“, sagte ich und konnte gerade noch ein Lächeln zaubern.

„Frischgepressten haben wir nicht…“, sagte sie, nachdem sie etwas auf ihr Zettel schrieb und es dann wieder durchstrich.

„Dann Mangosaft!?“, fragte ich und schaute Cindy an.

„Auch nicht.“, sagte sie, wieder beim Durchstreichen der aufgeschriebenen Buchstaben auf ihren Zettel.

„Was ist mit Maracujasaft?“, sagte ich und lächelte breiter.

„Ja.“, sagte sie und ging.

Kam nach fünf Minuten wieder. Ich verlangte einen Strohhalm, da Maracujasaft die Zähne angreife. Sie brachte es mir….nicht.

Unglaublich aber wahr, kam die Kollegin der Servicekraft und wollte mir den Hugo nach langer Warterei von ungefähr einer Stunde – servieren- . Ich sagte ihr, dass ich ihn nicht mehr trinken kann, weil ich noch fahren muss.

Sie nahm es widerwillig wieder zurück.

Ungefähr eine Stunde später sagte ich zu Cindy, sie sollte sich was bestellen. Wir schwaffelten ja schließlich sehr lange und da hält auch der beste permanent Lippenstift nicht lange, wenn die Lippen fusselig werden.

Sie setzte ihr breites amerikanisches Grinsen auf und meinte, sie hätte eine Idee.

Kurzer Blickkontakt und die Kellnerin No. 1 kam. Cindy bestellte einen Hugo. Also einen, denn ich wollte und nicht bekam. Wie amüsant es war, konnte mir nur Cindy sagen, weil ich das Gesicht der Dame nicht sah.

„Na, die hat mich aber angeguckt.“, sagte Cindy laut danach „total verarscht!“

Wir lachten. Der Hugo kam. Sie trank ihn mit Genuss. Da sie ja Mama geworden ist, hatte sie sich nicht so oft Alkohol gegönnt.

Ich sagte nur „Hau rein!“

Bei der Zahlung der Rechnung, ließ ich Cindy ihren Teil bezahlen und wartete auf den Rest. Ich wollte einfach mal wissen, ob die Kellnerin No. 1 auch alles richtig aufgeschrieben hat: Ohne die bestellten und zu spät servierten Getränke. Bevor sie alles las, sagte ich ihr alles auf ohne die zwei Getränke. Sie zückte ihren Stift und tat so als überlege sie. Ich sagte es noch einmal auf, wieder ohne die verspäteten Getränke. Sie runzelte die Stirn und wollte etwas sagen :“Aber… !“

„Die anderen Getränke, die nicht kamen oder zu spät kamen, die zählen nicht mit!“, sagte ich und gab ihr das Geld.

„O…“, sagte sie und nahm das Geld. Sagte nicht mal Danke und ging.

Ich lachte mit Cindy noch einmal.

Wir teilten uns einen Kaugummi.

Die leere Verpackung ließ ich auf dem Tisch.

„Ich war noch nie hier Cindy. Es ist schön hier!“

„Ja, tolles Ambiente! Freut mich, dass es dir gefallen hat. Und ein neues Rezept für die Speisekarte hast du auch zurückgelassen!“, antwortete sie wie immer lachend.

„Hauptsache lustig und ……….wir kommen wieder!“, sagte ich ihr mit hochgehobener Augenbraue.

Wir mussten so lachen.

http://www.zum-neuen-schwan.de/

Advertisements